Judith Kolenburg liefert eine Analyse des Discount-Einzelhandelsmarktes während Hans Kraak untersucht, was Einzelhändler tun, um den Faserverbrauch anzukurbeln.
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Ein erfolgreiches Geschäft erfordert mehr als richtige Preise und Werbeaktionen. Grégoire Kaufman, ehem. Leiterin Handelsmarken bei Carrefour, enthüllt Merkmale der „attraktivsten“ Geschäfte. 
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PLMA e-Scanner – Januar 2023

Januar, 2023
Roboter können Lieferkosten auf der letzten Meile senken

Auf die „letzte Meile“ entfällt ein großer Teil der Kosten bei der Zustellung von Bestellungen. Da wundert es nicht, dass Einzelhändler verschiedene Lösungen ausprobieren, um diese Kosten zu senken. In Großbritannien beispielsweise untersucht Co-op die Möglichkeit, online bestellte Waren in einigen Städten mit Gehsteig-Lieferrobotern an seine Kunden auszuliefern. Die Roboter arbeiten mit GPS. Mit einem speziellen Code, der an das Smartphone gesendet wird, kann der Kunde seinen Einkauf entnehmen. Co-op ist bestrebt, neue Technologien zu prüfen und nach neuen Möglichkeiten zur Innovation zu suchen, so der Leiter des Bereichs Food Digital bei Co-op.

Rewe testet die Lieferung mit auf dem Gehweg fahrenden Robotern in Hamburg. Kunden können ihre Waren über die App bestellen. Mitarbeiter stellen dann im Markt die Produkte zusammen und legen sie in den Frachtraum des Lieferbots. Dank ausgeklügelter Technik mit Sensoren, Radar, Lichtanlage, künstlicher Intelligenz und integriertem Navigationssystem soll der Roboter dann sein Ziel innerhalb von zwei Stunden erreichen. Über die App erhalten die Kunden dann eine Nachricht mit einer Pin, mit der sie den Lieferbot öffnen können. In Litauen geht Rewe noch einen Schritt weiter. Hier testet der Händler mit seinem Tochterunternehmen Iki die Belieferung mit einem autonomen Lieferauto. Das kleine selbstfahrende Elektroauto fährt auf der Straße und liefert die Bestellung an die Haustür des Kunden. Der Kunde wird dann per Handy-App darüber benachrichtigt, dass die Bestellung zur Abholung bereit liegt. Zur Entnahme des Einkaufs muss er lediglich den Abholcode für die Bestellung eingeben.

In Belgien testet der Händler Colruyt ein autonomes Lieferfahrzeug. Nach wochenlangen Tests auf dem Parkplatz des Distributionszentrums fährt das Auto nun fahrerlos auf öffentlichen Straßen. Allerdings wird das Fahrzeug aus der Ferne von einem Mitarbeiter überwacht, der nötigenfalls eingreifen kann. Carrefour hat gerade ein Pilotprojekt mit einem Lieferroboter in einem Geschäftskomplex im Land gestartet.

Neben den hohen Kosten für die letzte Meile sind es Arbeitskräftemangel, hohe Löhne, der Wunsch nach Verfügbarkeit rund um die Uhr sowie Mobilitätsprobleme in Städten, die Einzelhändler dazu drängen, neue Lösungen zu finden. Im Moment fehlt ein einheitlicher Rechtsrahmen für autonome Lieferfahrzeuge auf öffentlichen Straßen. Die EU-Kommission hat sich des Themas angenommen und ist dabei, einen solchen Rahmen mit neuen Vorschriften zu erarbeiten. Bislang war es erforderlich, zahlreiche nationale und örtliche Genehmigungen einzuholen.

Aldi hat ambitionierte Pläne in Polen, verlässt jedoch Dänemark

Der Discounter Aldi will im Laufe der nächsten fünf Jahre bis zu 600 neue Verkaufsstellen in Polen eröffnen. Bis 2032 sollen Filialen an Tausenden von Standorten im Land entstehen. Momentan betreibt Aldi etwa 240 Märkte mit einer durchschnittlichen Verkaufsfläche von etwa 1.000 Quadratmetern. Das Unternehmen ist seit 2008 in Polen aktiv.

Wojciech Łubieński, CEO von Aldi Polen teilte mit, der Ausbau des Filialnetzes werde für das Unternehmen Größenvorteile bringen und die Rentabilität steigern. Zwar rechnet er mit organischem Wachstum, doch auch Übernahmen schließt Aldi nicht aus, sollte sich die Gelegenheit ergeben.

Die Wachstumspläne beinhalten folglich auch den Ausbau der Logistik. Im Herbst eröffnete Aldi seine zweite Lagerhalle; der Bau von zwei weiteren ist für die nahe Zukunft geplant.

Aus dem dänischen Markt zieht sich Aldi hingegen zurück. Der Discounter verkaufte 114 Filialen an den norwegischen Einzelhändler Reitan Retail, der in Dänemark die Discount-Kette Rema1000 betreibt. Damit ist Rema die größte Lebensmittelkette im Land. Aldi eröffnete als erster Discounter in Dänemark vor 45 Jahren die erste Filiale. Für Odd Reitan, den Eigentümer von Reitan, diente das als Inspiration für seine eigenen Lebensmittelgeschäfte.

Die Entscheidung zum Rückzug von Aldi aus Dänemark ist Teil der Strategie, sich auf die acht europäischen Märkte zu konzentrieren, in denen der Discounter bessere Ergebnisse erzielt und langfristiges Potenzial sieht.

Binnenmarkt muss für alle funktionieren

EuroCommerce forderte die Europäische Union und die Mitgliedsstaaten auf, gegen die Fragmentierung des Binnenmarkts vorzugehen, verursacht durch große Konsumgüterhersteller. Nach Angaben des europäischen Einzelhandelsverbands schränken Hersteller die Freiheit von Einzelhandelsunternehmen ein, sich den besten Deal in Europa zu sichern, und treiben die Preise für Verbraucher künstlich in die Höhe.

Diese Beschränkungen, die so genannten „Territorial Supply Constraints“ (TSCs), werden von Markenherstellern im Umgang mit Einzelhandelskäufern auferlegt. Sie zwingen Händler dazu, Produkte aus dem Inland zu beziehen, oder hindern sie am „Parallelhandel“ mit Produkten aus einem anderen Mitgliedsstaat.

Dem Verband zufolge haben die Beschränkungen das Ziel und die Wirkung, den Markt zu segmentieren und beträchtliche Preisunterschiede zwischen Ländern aufrechtzuerhalten. Die Beschränkungen hindern Händler am freien Einkauf von Waren in den Ländern ihrer Wahl. Wenn Händler versuchen, die TSCs zu umgehen, sind die großen Markenanbieter aufgrund ihrer Marktmacht in der Lage, Lieferungen zurückzuhalten oder zu rationieren.

Das hat zur Folge, dass Verbraucher in bestimmten Ländern häufig mehr bezahlen müssen oder zu weniger Produkten Zugang haben. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission kosten diese Marktbeschränkungen die europäischen Verbraucher mindestens 14 Milliarden Euro. Für Händler, die effizienter arbeiten wollen, indem sie Waren zentral oder in einem anderen Markt beschaffen, werden die Lieferungen möglicherweise beschränkt oder komplett eingestellt.

JD.com-Tochter Ochama expandiert in Europa

Vor zwei Jahren wurden die ersten europäischen Filialen von Ochama, dem Tochterunternehmen des chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com, in den Niederlanden eröffnet. Seitdem trieb das Unternehmen seine Expansion im Stillen voran. Heute sind die Website und App für Kunden in neun Ländern verfügbar. Im Onlineshop des Händlers findet man neben Lebensmitteln auch Elektronik, Kosmetika, Bekleidung, Produkte rund um Haus und Wohnen sowie Spielwaren.

Nach dem Start in den Niederlanden hatte Ochama auf vollautomatisierte Abholshops gesetzt, in denen Roboter die Pakete vorbereiten. An vier Standorten konnten Kunden ihre Online-Bestellungen abholen. Drei der vier Geschäfte wurden inzwischen geschlossen, und der niederländische CEO hat die Firma verlassen. Das Unternehmen, das jetzt von China aus gesteuert wird, ist offenbar dabei, einen Kurswechsel zu vollziehen. Kern des neuen Ansatzes ist die Kooperation mit Abholstellen bei Drittanbietern. Auch die Lieferung direkt nach Hause ist Teil des Konzepts.

In den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Deutschland hat der Händler Partnergeschäfte gefunden, die als Abholpunkte fungieren. In diesen Ländern können Kunden außer dem regulären Sortiment von Ochama auch frische und tiefgekühlte Lebensmittel bestellen. In Spanien, Italien, der Tschechischen Republik, Ungarn und Luxemburg ist nur die Hauszustellung möglich, von der frische und tiefgekühlte Waren ausgeschlossen sind.

In den Läden 

Casino testet im französischen Normanville ein neues Hard-Discount-Format namens LP. Der 650 Quadratmeter große Markt führt keine Industriemarken und verfügt über ein begrenztes Sortiment von 2.000 Produkten.

Der Supermarktbetreiber Billa investiert mehr als 40 Millionen Euro in den Ausbau seines Verkaufsstellennetzes und ein neues Warenlager in Bulgarien. Das Unternehmen betreibt bereits die größte Anzahl von Geschäften im Land.

Albert Heijn ist neuer Eigentümer der südholländischen Supermarktkette Jan Linders. Mehr als 50 Geschäfte und ein Vertriebszentrum werden übernommen. Das Familienunternehmen Jan Linders wird als Franchise-Unternehmen von Albert Heijn weitergeführt. Die Umstellung aller Filialen auf das neue Format soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Pan Panorama überarbeitete die Eigenmarke „I Tesori“. Besonderes Augenmerk galt den Inhaltsstoffen italienischer Herkunft, die zudem typisch sind für die gastronomische Tradition Italiens.

Carrefour brachte als erster Händler in Spanien Brocomole auf den Markt, ein Produkt der Eigenmarke „El Mercado“. Der Gemüseaufstrich mit 54 % Brokkoli- und 43 % Avocadoanteil enthält weder Gluten, Laktose noch Zuckerzusätze.

Rewe eröffnete die erste vollständig autonome Filiale in der Münchner Innenstadt. Das Konzept namens Pick&Go erlaubt es Kunden, die gewünschten Produkte auszusuchen, einzupacken und das Geschäft zu verlassen, ohne zur Kasse gehen zu müssen.

Asda führte zwei neue vegane Marken ein: „OMV“ und „Plant Based“. Zu den insgesamt 112 Produkten gehören hochwertige fleischfreie Gerichte und gesunde, von Ernährungswissenschaftlern gebilligte Fleischalternativen.

Eine von Pingo Doce eingeführte neue App, Meu Pingo Doce, gibt Nutzern die Möglichkeit, exklusiven Clubs beizutreten, von Sonderangeboten zu profitieren und eine Reihe weiterer Vorteile zu nutzen.

Der zur Rohlik-Gruppe gehörende Online-Supermarkt Sezamo nahm den Betrieb in Rumänien auf. Das Sortiment umfasst mehr als 10.000 frische Produkte, direkt von heimischen Landwirten, Lebensmittel von lokalen Produzenten sowie beliebte Supermarktmarken.

Covirán kennzeichnete 49 seiner Eigenmarkenprodukte mit dem Siegel für zertifizierte Laktosefreiheit des spanischen Verbands für Laktoseintoleranz. Kunden, die Laktose in ihrer Ernährung meiden müssen, können damit schneller die Produkte erkennen, die für den Verzehr geeignet sind.

Sainsbury’s verzichtet bei Behältern für Dips der Eigenmarke auf den Einsatz von Einweg-Kunststoffdeckeln. Zuvor hatte der Händler bereits Sahne, Käse und Joghurt ohne Einweg-Kunststoffdeckel angeboten.

Mercadona erneuerte das Sortiment von Babypflegeprodukten der Marke „Deliplus“. Das Angebot umfasst Babytücher, Windeln mit Nässeindikator, Babyfläschchen, Salben und Trinksauger. Alle Produkte werden unter strengen Qualitätskontrollen hergestellt.

dm testet in zwei Filialen elektronische Regaletiketten. Im Rahmen des Pilotprojekts probiert der Händler auch die Anzeige der Bewertungen für das jeweilige Produkt durch dm-Kunden aus. Die elektronischen Regaletiketten (ESL) zeigen die Durchschnittsbewertung in Form von Sternen und die tagesaktuelle Zahl der Bewertungen an.

Spar brachte in seinen britischen Filialen fünf neue Süßwarenlinien der Eigenmarke in die Regale. Zum Angebot gehören vegane und vegetarische Süßigkeiten sowie Impulsartikel in attraktiven Geschmacksrichtungen.

Marktforschung 
Zahl der Einzelhandelsabonnements in den Bereichen Lebensmittel und Beauty steigt

Bis 2025 werden 20 % der Einzelhandelskunden weltweit neue Abonnenten sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Deloitte und Zupoa. Am häufigsten werden Mitgliedschaft und Nachschub-Boxen abonniert. Die erfolgreichsten Produktbereiche für Abos sind Elektronik (19 %), Lebensmittel (17 %) sowie Beauty und Kosmetik (15 %).

In Europa sind Kunden bereit, 80 Euro im Monat im Elektroniksektor, 78,30 Euro für Lebensmittel und 55,70 Euro für Beauty und Kosmetik auszugeben. Die höchste Zahl der Abonnenten (21 %) ist in der Unterhaltungselektronik zu finden. Der Bereich Lebensmittel wird jedoch voraussichtlich stark zulegen (+14 %) und 2025 mit dem Bereich Unterhaltungselektronik gleichziehen.

Eigenmarke des Online-Händlers Picnic wächst

Die Analyse des Online-Supermarkts Picnic von einer Million Haushalten hat ergeben, dass Kunden nicht nur häufiger, sondern auch mehr Produkte von Picnic bestellten. Am schnellsten kletterten Produkte der ausländischen Küche auf den Einkaufslisten nach oben. Auch die Eigenmarke von Picnic erlebt weiter einen „bedeutenden“ Zuwachs.

Picnic zufolge sind Mozzarella, türkische Mini-Pizzen und Knoblauchsauce die drei Produkte, die sich auf den Einkaufslisten der Verbraucher 2022 am schnellsten nach oben kämpften. Genau wie im letzten Jahr sind jedoch Gurken, Halbfettmilch und Bananen die drei am häufigsten verkauften Produkte, so das Ergebnis einer Analyse von einer Million Haushalten durch Picnic. Eine weitere auffällige Liste ist die der fünf am häufigsten vergessenen Produkte. Diese Produkte werden von Kunden nach dem Checkout in den Einkaufswagen gelegt. Es handelt sich um Gurken, Zucchini, rote Paprika, Brokkoli und Bananen.

Die 2021 von Picnic eingeführte Eigenmarke verzeichnet ein starkes Wachstum. Den schnellsten Zuwachs erleben Baguettes und runde Brötchen, Haselnussaufstrich und drei Sorten Erdnussbutter.

Veganismus ist mehr als eine Nische

Jeder fünfte Verbraucher in Deutschland (20,5 %) interessiert sich für eine vegane Lebensweise und konsumiert zumindest gelegentlich vegane Produkte. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Civey im Auftrag von Kaufland unter 5.000 Erwachsenen durchgeführte Umfrage. Besonders gefragt sind Milchalternativen, Fleischersatzprodukte und vegane Wurst. Neben Tierwohl (65,3 %) und Klimaschutz (54,2 %) werden gesundheitliche Aspekte (31,3 %) als die häufigsten Gründe für vegane Ernährung genannt.

Dabei handelt es sich nicht etwa um einen kurzfristigen Trend. Fast jeder Dritte (27,7 %) konsumiert bereits seit mehr als sechs Jahren pflanzliche Lebensmittel. Besonders wichtig sind für Veganer Ersatzprodukte für Erzeugnisse tierischen Ursprungs. Sie werden von mehr als der Hälfte der Befragten, die sich oft oder immer vegan ernähren, konsumiert. 84,9 Prozent aller Befragten gaben an, dass es leichter geworden sei, sich vegan zu ernähren.

PLMA-Nachrichten 
PLMAs Konferenz am runden Tisch, 8.-9. März 2023 in Rotterdam
Die jährliche Roundtable-Konferenz der PLMA öffnet am 8. und 9. März 2023 im Hilton Hotel in Rotterdam, Niederlande,  erneut ihre Türen. Redner von Mintel, Tesco, EY Knowledge, Rohlik und anderen werden ihre inspirierenden und zum Nachdenken anregenden Erkenntnisse zu den folgenden Themen teilen:
  • Handelsmarken, die für die Zukunft gerüstet sind
  • Wie man mit Europas internationalen Discountern zusammenarbeitet
  • Einzelhandels-Fallstudie: Handeksmarken- und Online-Einzelhandel
  • Bereiten Sie Ihr Unternehmen auf den Verbraucher von morgen vor
  • Die Sicht eines Einzelhändlers: Wie man wirklich nachhaltige Verpackungen liefert

Die zwei Tage bieten großartige Networking-Möglichkeiten während der Mittagessen, einem Cocktailempfang und einem Besuch in großen Einzelhandelsgeschäften in Rotterdam,

Für weitere Informationen zum Programm, klicken Sie bitte hier.

 

Veranstaltungen 
1. Februar

PLMAs Online Lunch & Learn Speaker Series

8.-9. März

PLMAs jährliche Konferenz am runden Tisch
Rotterdam, Niederlande

23.-24. Mai

PLMAs internationale Fachmesse „Welt der Handelsmarken“
Amsterdam, Niederlande