Die COVID-19-Krise hat das Interesse der Käufer an lokal produzierten Produkten gesteigert. Judith Kolenburg berichtet, wie Händler mit ihren Handelsmarken-Strategien reagieren.
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Sebastiaan Schreijen, Senior Analyst, und Cyrille Filott, globale Strategin für Konsumgüter erklären, wie sich Handelsmarkenanbieter auf Nutri-Score & Eco-Score Anforderungen vorbereiten.
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PLMA E-Scanner – Dezember 2021

Dezember, 2021
Klassische Einzelhändler kooperieren mit Blitzlieferdiensten

Der Erfolg von Schnell-Lieferdiensten, die eine Hauszustellung von Lebensmitteln innerhalb von zehn oder 20 Minuten versprechen, hat das Interesse traditioneller Lebensmittelhändler geweckt. Da es offensichtlich einen Markt für einen so schnellen Service gibt, machen sich einige Ketten die Beliebtheit, Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit der Lieferteams der Schnell-Lieferdienste zunutze und arbeiten mit ihnen zusammen.

Tesco testet in Partnerschaft mit dem Lieferservice Gorillas Lieferungen innerhalb von zehn Minuten aus seinen Supermärkten. Angeboten werden 2.000 Artikel. Auf freien Flächen in den Supermärkten, die am Test teilnehmen, wurden Mini-Lager eingerichtet, aus denen Gorillas die Kunden beliefert. In Frankreich erwarb die Casino Group eine Beteiligung an Gorillas. Casino beliefert bereits die Dark Stores von Gorillas. Dank dieser Kooperation wird das Sortiment von Gorillas jetzt um mehrere Hundert Handelsmarkenprodukte von Monoprix erweitert.

Rewe erwarb Anteile am Schnell-Lieferdienst Flink. Letzterer vertreibt nun zahlreiche Handelsmarkenartikel von Rewe, insbesondere Bioerzeugnisse und Convenience-Produkte der Reihe „Beste Wahl“. Carrefour ist in Frankreich eine Partnerschaft mit dem Start-up Cajoo eingegangen. Cajoo übernimmt die Kommissionierung der Bestellungen über die Schnittstelle der Uber Eats-App. Zur Auswahl stehen 2.000 überregionale Marken und Carrefour-Eigenmarken in den Bereichen Lebensmittel und Nonfood.

In Bezug auf die kostspielige letzte Meile – für Einzelhändler ein Verlustgeschäft – bietet die Partnerschaft mit einem Quick-Commerce-Unternehmen den Ketten vielleicht eine Möglichkeit, wenigstens die Kosten zu decken.

EU will Entwaldung stoppen

Europa ist der zweitgrößte Importeur von Soja, Rindfleisch, Palmöl, Kakao und Kaffee. Bei der Erzeugung dieser Produkte in industriellem Maßstab werden auch Wälder abgeholzt. Die Europäische Union hat nun Maßnahmen eingeführt, um die EU-getriebene Waldzerstörung zu begrenzen.

Der Gesetzesvorschlag sieht bindende Sorgfaltspflichten für Unternehmen vor, die Erzeugnisse auf dem EU-Markt verkaufen. So soll sichergestellt werden, dass nur „entwaldungsfreie“ und legale Produkte auf den EU-Markt gelangen. Importeure von Lebensmitteln und einigen Folgeprodukten müssen nachweisen, dass ihre Artikel auf vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzflächen angebaut werden. In erster Linie bedeutet das, dass diese auf dem Markt zugelassenen Produkte rückverfolgbar sein müssen, damit über ihre Herkunft kein Zweifel besteht.

Mithilfe eines Benchmarking-Systems will die Kommission bewerten, wie hoch das Risiko für Entwaldung und Waldschädigung in den einzelnen Ländern ist. Die Verantwortung für die Überprüfungen liegt bei den europäischen Mitgliedsstaaten.

Von Nutri- über Eco- bis Planet-Score

Die Nährwertkennzeichnung Nutri-Score auf der Verpackungsvorderseite wird bereits seit einigen Jahren in großen Supermärkten in ganz Europa verwendet. Damit wird der Nährwert von Produkten auf einer Skala von A (sehr gesund) bis E (ungesund) eingestuft. Das Label bewegte Hersteller und Einzelhändler dazu, Produktrezepte neu zu formulieren, um eine bessere Bewertung zu erhalten. Es wurde von Verbrauchern angenommen und hilft ihnen, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen.
    
In diesem Jahr wurde der Eco-Score eingeführt, ein Label, das die Umwelteigenschaften von Produkten vom Erzeuger bis zum Verbraucher bewertet. Das System misst den CO2-Fußabdruck von Produkten, aber auch ihre Auswirkungen auf Wassernutzung, Biodiversität und Feinstaub. Genau wie der Nutri-Score ist auch der Eco-Score auf der Vorderseite der Verpackung sichtbar. Ein mit einem A gekennzeichnetes Produkt hat sehr geringe Umweltauswirkungen, ein Produkt mit einem E hingegen sehr hohe. Colruyt führte das neue Label für seine Eigenmarken ein. In den kommenden Monaten sollen auch überregionale Markenprodukte einbezogen werden. Lidl Europa und Carrefour haben ebenfalls damit begonnen, die Kennzeichnung zu verwenden.

In diesem Jahr wurde noch eine weitere Kennzeichnung entwickelt: „Planet-Score“. Siebenundzwanzig Hersteller und acht Einzelhändler in Frankreich, darunter Auchan, Lidl, Franprix und Monoprix, haben vereinbart, das Label für 1.000 Lebensmittelprodukte zu testen. Die Kennzeichnung orientiert sich am Eco-Score. In Fällen, in denen keine Lebenszyklusanalyse für ein Produkt möglich ist, werden jedoch andere Faktoren wie Pestizideinsatz, Klimaauswirkungen, Biodiversität und Tierwohl bewertet.

Alle diese Labels auf der Verpackungsvorderseite sind dazu gedacht, Verbrauchern die Entscheidung für gesündere oder nachhaltigere Produkte zu erleichtern. Anstatt einen Barcode scannen zu müssen, erhalten Kunden dank der Einstufung von A bis E direkt die nötigen Informationen.

Ocado baut Lagerautomatisierung aus

Der britische Online-Supermarkt Ocado will den gesamten Prozess vom Erzeuger bis zum Kühlschrank des Verbrauchers automatisieren. Das Unternehmen, das schon jetzt Tausende von Robotern einsetzt, will die meisten manuellen Jobs von Lagerarbeitern schließlich durch Maschinen ersetzen.

Bislang stellt Ocado seine Technologielösungen für den E-Commerce stationären Händlern wie Monoprix, Alcampo, Coles, Sobeys, Kroger und Marks & Spencer zur Verfügung. Jetzt, da der Online-Lebensmittelhandel wächst, Arbeitskräftemangel herrscht und die Lohnkosten steigen, wecken die automatisierten Customer Fulfillment Centres das Interesse weiterer internationaler Einzelhändler.

Während der Einsatz von Robotern zur Handhabung von Nonfood-Artikeln bereits zum Standard gehört, ist der Umgang mit Lebensmitteln nach wie vor eine Herausforderung: Sie können empfindlich sein und Kühl- oder Gefrierlagerung erfordern. Der Erfolg einer roboterisierten Lösung für Lebensmittel könnte große Auswirkungen für Arbeitsplätze im Einzelhandel haben.

Mere bremst Expansion

Der russische Hard-Discounter Mere verlangsamt das Tempo seiner ehrgeizigen Expansionsvorhaben in Westeuropa. Noch vor einigen Monaten hatte das Unternehmen bekannt gegeben, bis Ende dieses Jahres zehn Filialen Belgien und mindestens drei in Frankreich und in Großbritannien eröffnen zu wollen. Bis jetzt wurde nur ein Geschäft in Großbritannien eröffnet, und das mit Verspätung, weil nicht genügend Produkte zur Verfügung standen.

Mere arbeitet ohne Lagerhallen. Jede Filiale ist ein SB-Warenhaus ohne Regale. Die Produkte werden direkt von den von Herstellern angelieferten Paletten verkauft. Das Problem scheint darin zu bestehen, dass das Unternehmen Mühe hat, in dieser Region Hersteller zu finden. Mere bindet seine Hersteller an strenge Auflagen: Sie müssen ihre Waren zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten als die Wettbewerber, sind für die Lieferung der Produkte an die Filialen verantwortlich und werden verpflichtet, unverkaufte Ware zurückzunehmen. Sobald es Mere gelingt, regionale Produzenten zu finden, die mit den Bedingungen einverstanden sind, könnte die Lücke, die durch die Modernisierung von Aldi und Lidl in Westeuropa entstanden ist, gefüllt werden.

Migros will CO2 im Transport um 70 % senken

Die Migros entwickelte gemeinsam mit Empa Software, die den gesamten Warenfluss in Echtzeit zeigt. Dank der Lösung namens „M Opex Tower“ kann der Händler seine Logistik noch sicherer, effizienter und ökologischer gestalten.

Auf der Grundlage einer digitalen Kopie der gesamten Lieferkette weltweit bildet das Tool Warenströme auf der Straße, auf der Schiene und auf dem Wasserweg in Echtzeit ab. Ein Algorithmus errechnet dann die optimale Antriebsart beim Transport im Hinblick auf die Emissionen. Migros erwartet, dank der Software bis 2030 die CO2-Emissionen im Straßenverkehr um 70 % senken zu können.

Zusätzlich zur Dekarbonisierung der Filialbelieferungen ermöglicht es das Tool, schnell auf Störungen in der Lieferkette zu reagieren und so deren Resilienz zu erhöhen.

In den Läden 

Tesco stellt das Geschäftsformat Jack’s ein. In den Filialen der Tesco-Tochter Booker Wholesale wird die Eigenmarke „Jack’s“ fortgeführt und ausgebaut.

Monoprix lancierte ein neues Treueprogramm namens „Compte M“. Die Angebote des neuen Programms, das stärker serviceorientiert und personalisiert ist, sind an die Einkaufsgewohnheiten der Kunden angepasst.

Colruyt eröffnete einen autonomen SB-Supermarkt des Innenstadt- und Nachbarschaftsformats OKay. Der Laden ist rund um die Uhr geöffnet. Zum Betreten des Geschäfts können Kunden ihre Treuekarte oder App scannen. Das Sortiment umfasst etwa 650 Produkte, sowohl Industriemarken als auch Eigenmarken.

Alle Handelsmarkenprodukte von Pingo Doce werden mit dem Nährwertlabel Nutri-Score gekennzeichnet. Dies ist eine von mehreren Maßnahmen des Unternehmens zur Förderung einer gesunden Ernährung.

Kaufland vertreibt in Zukunft Naturkosmetik der Eigenmarke „Bevola Naturals“. Die Kosmetikprodukte sind durch Ausgleich über Klimaschutzprojekte klimaneutral, außerdem sind sie vegan und nach „Natrue“ zertifiziert.

Carrefour Spanien erweiterte sein Eigenmarkensortiment um Milch mit dem Siegel „Circle of Quality“. Das Produkt erhielt außerdem eine nachhaltigere Verpackung – sie besteht zu 86 % aus nachwachsendem Material.

Tesco bringt eine neue Eigenmarke mit nachfüllbaren Reinigungssprays auf den Markt. Die Flaschen können wiederverwendet werden. Durch Mischen der löslichen Kapseln von Tesco mit Wasser entsteht eine neue Reinigungslösung.

Albert Heijn will seine Eigenmarken bis 2025 auf vollständig recycelbare Verpackungen umstellen. Zudem weitete der Händler den Lieferservice „AH Compact“ auf mehr als eine Million Haushalte in den Niederlanden aus.

Kaufland und Lidl führen Verpackungen aus Silphie-Papier für Bioprodukte ein. Nach Angaben der Händler eignet sich das innovative Papier auf Pflanzenbasis für zahlreiche Lebensmittel- und Nonfood-Produkte.

Mit „V-Love“ präsentiert die Migros das weltweit erste pflanzliche hartgekochte Ei. Die Ei-Alternative basiert auf Sojaprotein, sieht aus wie ein gewöhnliches Ei und kann entsprechend aufgeschnitten und zubereitet werden.

Das Lebensmittel-Handelsunternehmen Transgourmet erweitert sein Portfolio um eine neue pflanzenbasierte Eigenmarke namens „Plant-based“. Unter der neuen Marke bietet Transgourmet neben vegetarischen und veganen Produkten auch Dienstleistungen wie Schulungen und fachliche Beratung zu pflanzenbasierten Angeboten in der Catering-Branche.

Carrefour senkt dauerhaft die Preise für 300 Handelsmarkenprodukte in den beliebtesten Kategorien mit dem Slogan: „Quand tout augmente, Carrefour baisse les prix“ (Wenn alles steigt, senkt Carrefour die Preise).

Unter dem neuen Label „van Dichtbij“ (aus nächster Nähe) bietet Jumbo Eigenmarkenlebensmittel aus den Niederlanden an. Das neue Sortiment wird mit Werbespots, auf der Website und in den Läden mit einem speziellen „van Dichtbij“-Regal beworben.

SPAR International vertreibt in den europäischen Märkten ein neues Eigenmarkensortiment unter dem Label „SPAR N°1 Value“. Anfangs werden 70 Artikel angeboten. Bis zum Jahresende soll die Zahl der Produkte auf über 100 steigen.

Lidl Schweiz weitet das Angebot an regionalen Produkten mit dem Konzept „Typisch“ aus. Ab sofort sind landesweit in den Lidl-Filialen regionale Produkte unter der übergreifenden Marke „Typisch“ erhältlich.

In Zusammenarbeit mit Tastyoo startet Delhaize ein Pilotprojekt in Belgien: In der ersten warmen Küche der Supermarktkette können Kunden warme und kalte Gerichte kaufen.

Asda bietet gezapftes Bier zum Nachfüllen an. Zur Auswahl stehen zwölf frisch gezapfte Getränke, die Kunden in nachfüllbaren Glasbehältern oder Dosen mit einem oder zwei Litern Fassungsvermögen mitnehmen können.

Marktforschung 
Fast die Hälfte der Europäer isst weniger Fleisch

Eine europaweite Umfrage, die von der nichtstaatlichen Organisation ProVeg International in Zusammenarbeit mit Innova Market Insights, der Universität Kopenhagen und der Universität Ghent durchgeführt wurde, hat ergeben, dass sich auf dem gesamten Kontinent ein deutlicher Wandel hin zu pflanzlicher Ernährung vollzieht.

In der Umfrage unter 7.500 Verbrauchern in zehn europäischen Ländern gaben 46 % der Befragten an, dass sie heute weniger Fleisch essen als noch vor einem Jahr. 39 % der Befragten beabsichtigen, in den nächsten sechs Monaten weniger Fleisch (z. B. Rind, Schwein, Geflügel) zu konsumieren.

28 % der europäischen Verbraucher haben vor, ihren Konsum an Molkereiprodukten zu reduzieren (z. B. Milch, Joghurt, Käse), und 26 % wollen in den nächsten sechs Monaten mehr pflanzliche Milchprodukte konsumieren.

Insgesamt bezeichneten sich 30 % der Umfrageteilnehmer als Flexitarier. Der Anteil der Flexitarier war in den Niederlanden (42 %) und Rumänien (40 %) am höchsten. 7 % der Befragten ernähren sich nach eigenen Angaben pflanzlich (vegan und vegetarisch).

Umfrage: Viele Europäer wechseln zu Handelsmarken

Eine von Pricer in diesem Jahr unter 18.000 Verbrauchern in zehn europäischen Ländern durchgeführte Umfrage ergab, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der Verbraucher von Markenartikeln auf Eigenmarken von Supermärkten umgestiegen sind. Im Durchschnitt entschieden sich knapp über die Hälfte (51 %) der Verbraucher meistens für Eigenmarken, wenn verfügbar.

Marktübergreifend wünschen sich 64 % der Verbraucher mehr Produktinformationen am Regal und nicht nur Angaben zum Preis. Die stärkste Nachfrage besteht bei spanischen und italienischen Kunden. Zudem gaben Verbraucher an, mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Produkt zu kaufen, wenn sie Informationen über dieses Produkt einfach und deutlich sehen können.

PLMA-Nachrichten 
Am 23. und 24. Februar 2022 veranstaltet PLMA ihre Konferenz am runden Tisch online

Das Thema dieses Jahres ist „Die Macht der Nachhaltigkeit“. Nachhaltigkeit im Handelsmarkengeschäft ist für Einzelhändler und Hersteller eine Herausforderung. Jeder Aspekt der Geschäftstätigkeit von Unternehmen ist davon betroffen. Von der Beschaffung und Zusammensetzung der Produkte über den Transport, die Verarbeitung und Verpackung bis hin zu Abfallmanagement, Ladengestaltung und Lagerdesign. Was sind die Triebkräfte und Hemmnisse für nachhaltige Entscheidungen? Welche Rolle spielen Verbraucher? Wie können Unternehmen die Kosten von Änderungen in Erfolge verwandeln?

PLMAs Konferenz am runden Tisch gibt Einblicke und regt zur Diskussion über diese wichtigen Themen an. Wenn Sie sich anmelden möchten oder weitere Informationen wünschen, klicken Sie bitte hier.

Veranstaltungen 
23. und 24. Februar 2022

PLMAs Online Konferenz am runden Tisch

31. Mai und 1. Juni 2022

PLMAs internationale Fachmesse „Welt der Handelsmarken“
Amsterdam