Industrie-News

PLMA veranstaltete vom 31. Mai bis 1. Juni ihre rekordverdächtige Fachmesse „Welt der Handelsmarken“ in Amsterdam. Sehen Sie sich die Nachrichtenberichte direkt von der Messe an. Video hier ansehen.

 

 


Tobias Wasmuht, Chief Executive Officer von SPAR International erklärt, dass seine „local first“-Betriebsstruktur ein Schlüsselaspekt des Erfolgs ist.
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PLMA E-Scanner – Juni 2022

Juni, 2022
Seminarreferenten rechnen mit Handelsmarkenwachstum

Im Rahmen der PLMA-Seminare vor der Messe am 30. Mai in Amsterdam prognostizierten die Referenten in allen drei Präsentationen Wachstum für Handelsmarken in den kommenden Jahren. Sebastiaan Buchholtz von NielsenIQ zeigte in seinem Beitrag über die Stellung von Einzelhandelsmarken in Europa, dass sich die verstärkten Werbeaktionen der nationalen Marken im Jahr 2021 negativ auf den Marktanteil von Handelsmarken auswirkten. Dieses Jahr markiert den Beginn einer neuen Marktdynamik mit einer Veränderung im Verbraucherverhalten. Verbraucher, die den Preisanstieg bei Lebensmitteln zu spüren bekommen, schränken sich bei Luxusprodukten ein und suchen nach preisgünstigen Angeboten. Außerdem bauen Discounter ihre Präsenz in ganz Europa aus. Dies wird zu einer Steigerung des Marktanteils von Handelsmarken führen. Darüber hinaus sieht Nielsen Potenzial für Handelsmarken im Online-Kanal.

François Videlaine und Sebastian Gatzer von McKinsey wiesen auf Möglichkeiten der Einzelhändler hin, verschiedene Verbrauchererwartungen mit Handelsmarken zu bedienen. Ihre Studie zeigt, dass Kunden einen bestimmten Supermarkt vor allem deswegen für ihren Lebensmitteleinkauf wählen, weil sie die gute Qualität der Eigenmarken der Kette schätzen. Lebensmittelhändler mit der größten Steigerung des Marktanteils erfreuen sich auch der größten Wertschätzung ihrer Handelsmarken durch Kunden. McKinsey rechnet mit Wachstum für Handelsmarken in den kommenden Jahren in Europa und geht davon aus, dass Produkte im Preiseinstiegssegment an Bedeutung gewinnen werden. Verbraucher würden jedoch keine Abstriche an der Qualität der Eigenmarken im Einstiegssegment akzeptieren, so die Warnung.

Die neue Verbraucherstudie der PLMA wurde von Judith Kolenburg vorgestellt. In der unter 6.500 Kunden in acht europäischen Ländern durchgeführten Umfrage gaben drei von zehn Verbrauchern an, jetzt mehr Eigenmarken als vor der Pandemie zu kaufen. Bei den Millennials und der Generation Z fiel der Anstieg am höchsten aus: 32 % dieser Gruppen kaufen jetzt mehr Eigenmarken als vor der Pandemie, verglichen mit 25 % der Generation X und 22 % der Baby-Boomer. Vier von zehn Befragten gaben an, dass sie in den kommenden Jahren mehr Handelsmarken kaufen werden. Die Studie wird Ende Juni verfügbar sein.

Online-Händler Rohlik expandiert

Der tschechische Lebensmittelzustelldienst Rohlik ist in Europa auf Expansionskurs. Zu den bereits bestehenden Märkten in der Tschechischen Republik, Österreich und Ungarn kam im letzten Jahr Deutschland hinzu, wo Rohlik unter dem Namen Knuspr.de in München und Frankfurt vertreten ist. Weitere Städte sollen folgen.

Nun startet der Händler in Spanien unter dem Namen Sezamo im Großraum Madrid und plant ein Technologiezentrum in Barcelona. Rohlik will in den ersten Jahren in Spanien mehr als 50 Millionen Euro investieren. Anfangs sollen über 8.000 Produkte angeboten waren, darunter auch Frischwaren. Bestellungen werden in weniger als drei Stunden nach Hause geliefert.

Der Online-Supermarkt profitierte von der schnelleren Umstellung auf Online-Shopping während der Pandemie. Eine Verlangsamung des Wachstums nach der Pandemie hat der Händler jedoch nicht festgestellt. Rohlik verbuchte im Ende April des abgelaufenen Jahres einen Anstieg der Nettoeinnahmen um 53 % gegenüber dem Vorjahr auf 490 Millionen Euro. Mehr als eine Million Kunden nahmen den Service in Anspruch. Als Nächstes will Rohlik nach Italien und Rumänien expandieren.

Mehr Anbieter im Quick E-Commerce setzen auf Handelsmarken

Der Schnell-Lieferservice Gorillas kündigte die Einführung seiner ersten vier Handelsmarken in elf Produktkategorien an. Die neuen Eigenmarken werden in den Kernmärkten Deutschland, Frankreich, in den Niederlanden und Großbritannien angeboten.

Unter dem Namen "Gorillas Daily“ gibt es Alltagsprodukte zum Einstiegspreis wie Aufstriche, Käse und Aufschnitt. „Gorillas Premium“ umfasst qualitativ hochwertige Produkte wie frische Pasta sowie süße und herzhafte Snack0s. Unter dem Namen „Hot Damn“ werden Kaffee und Kaffeebohnen, recycelbare Kaffeekapseln und Haferdrinks angeboten, und die Eigenmarke „Start-up Beer“ umfasst Craft-Biere, ein bayerisches Helles und ein Pale Ale.

Die Produkte wurden auf der Grundlage von Kundenanalysen entwickelt und bieten hohe Qualität zu einem fairen Preis. Gorillas bekräftigt mit den neuen Handelsmarken seine Nachhaltigkeitsstrategie. Alle Produkte werden von Unternehmen hergestellt, die das Engagement von Gorillas für Nachhaltigkeit und Transparenz teilen. Beim Produktstart erklärte CEO Kağan Sümer, die neuen Handelsmarken seien eine Schlüsselkomponente der Rentabilitätsstrategie des Unternehmens, die es ihm ermöglichen werden, neue Einnahmequellen zu erschließen.

Unterdessen baut Flick, Wettbewerber im Quick E-Commerce, sein Handelsmarkensortiment aus. Unter der hochwertigen Dachmarke „Flink’s Finest“ werden die ersten frischen Produkte angeboten, vegane Käsealternativen (in Scheiben und gerieben), Fruchtaufstriche und Suppen, auch in Bio-Qualität. Wie das Unternehmen betont, liegt der Fokus bei den Handelsmarken auf Qualität und ökologischen Aspekten. In Kürze sollen weitere Produkte folgen.

Die Produkte der Marke „Flink’s Finest“ bezieht das Unternehmen selbst, unabhängig vom Partner Rewe. Flink führt außerdem Eigenmarken von Rewe in seinem Sortiment: „Rewe Beste Wahl“ und „Rewe Bio“. Darüber hinaus übernahm Flink vor kurzem den französischen Konkurrenten Cajoo und gewinnt damit Carrefour als exklusiven Geschäftspartner im Land.

Coop Italia will Markensortiment massiv ausbauen

Der italienische Marktführer Coop Italia restrukturiert sein Handelsmarkensortiment, das in den nächsten zwei Jahren um mehr als 5.000 Produkte erweitert werden soll. Das Ziel besteht darin, den Marktanteil der Eigenmarken in diesem Zeitraum von 3 Milliarden Euro auf 6 Milliarden Euro zu verdoppeln. Dies ist die bisher umfangreichste Neupositionierung von Eigenmarken im Land.
    
Zur Beschaffung neuer Produkte erweitert der Händler seine Lieferantenbasis um 250 Handelsmarkenhersteller, von denen 80 Prozent italienische KMU sind. Den Anfang machten neue Frühstücksprodukte, gefolgt von Erfrischungsgetränken, Pasta und anderen Produktkategorien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf glutenfreien Artikeln, Free-From-Produkten und Bio-Erzeugnissen.

Coop erklärte, Zweck dieser Initiative sei es, den Konsum in Gang zu halten, ohne das Budget der Italiener zu belasten. Gleichzeitig bildet das Projekt die Basis der künftigen Ausrichtung des Händlers auf ein günstiges, innovatives und erschwingliches Sortiment, das den Bedürfnissen von Verbrauchern gerecht wird.

In den Läden 

Aldi Schweiz lancierte eine neue Eigenmarke namens „Retour aux sources“ für Bio-Produkte. Die Marke, deren Produkte über die früheren Bio-Suisse-Standards hinausgehen, soll das Label „Nature Bio Suisse“ nach und nach ablösen.

Carrefour kündigte an, Blockchain-Technologie für die Produkte seiner Bio-Eigenmarke „Carrefour Bio“ zu verwenden. Verbraucher können Angaben über ein bestimmtes Produkt durch einfaches Scannen des QR-Codes auf dem Etikett abrufen. So erhalten sie alle Informationen zum Lebenszyklus des Produkts.

Kaufland startete eine neue Preisoffensive unter dem Motto „Jetzt erst recht“. Mit der Kampagne weist Kaufland darauf hin, dass 7.000 Handelsmarken und Markenprodukte dauerhaft so günstig sind wie bei den Discountern.

Delhaize lancierte mit Delivery+ ein Abo-Modell für häufig einkaufende Verbraucher. Damit können Kunden Zeitfenster zu günstigeren Lieferkosten abonnieren und reservieren. Das System ist besonders attraktiv für Kunden, die regelmäßig Bestellungen aufgeben.

Die Supermarktkette Co-op testet in Großbritannien die Lieferung zu Fuß für Haushalte und Arbeitsplätze, die bis zu 15 Minuten Fußweg von den Geschäften entfernt liegen. Die Auslieferung erfolgt am Tag der Bestellung. Der Service soll noch in diesem Jahr auf 200 Filialen ausgeweitet werden, darunter solche in kleineren Städten und ländlichen Ortschaften.

In Italien führte die Hypermarktkette Iper La grande I eine neue Premium-Handelsmarke namens „Patto Qualità Iper“ für Fisch, Fleischwaren, Eier und Käse ein. Die Produkte stammen aus umweltfreundlicher und nachhaltiger Bewirtschaftung und Tierzucht.

E. Leclerc federt die Auswirkungen der Inflation mit einem „Inflationsschutzschild“ für 120 Produkte des täglichen Bedarfs ab. In den kommenden Monaten gleicht der Händler systematisch Preiserhöhungen bei den meistgekauften Produkten durch Gutscheine aus. Zu den Produkten gehören sowohl Herstellermarken als auch Handelsmarken von Leclerc wie „Marque Repère“, „Eco+“ und „Nos Régions ont du Talent“.

Aldi Nord erweitert das eigene Backsortiment um lokale Spezialitäten. Damit profitieren Kunden von kurzen Transportwegen der Produkte in den Regalen. Aldi kooperiert mit kleinen Dorfbäckereien und größeren Handwerksbäckereien, die bereits regional etabliert sind.

Tesco beschleunigt die Umstellung auf unverpacktes Obst und Gemüse, Mehrwegverpackungen und wiederverwendbare Produkte in seinen Filialen. Bis 2025 soll die Zahl der ohne Kunststoffverpackung verkauften Produkte fünf Milliarden erreichen.

Albert Heijn erweitert sein Eigenmarkensortiment mit Produkten der internationalen Küche um 125 neue Artikel. Zu den Neuheiten gehören Gerichte, exotische Gewürze und Frischeverpackungen mit neuen Geschmacksrichtungen aus Asien, dem Nahen Osten, Nordafrika sowie Mittel- und Südamerika.

Der schwedische Online-Supermarkt Motatos, der mit geretteten Lebensmitteln handelt, macht Aldi und Lidl jetzt im britischen Markt Konkurrenz. Der Händler verkauft haltbare Lebensmittel und FMCG-Produkte, die ansonsten weggeworfen würden, zu ermäßigten Preisen. Die Einsparungen betragen bis zu 60 %.

Caprabo gibt Kunden die Möglichkeit, in 137 Filialen mit Frischetheken Produkte in selbst mitgebrachte Behälter füllen zu lassen. Kunden können frische Produkte von der Fisch- und Fleischtheke sowie aus der Delikatessenabteilung in ihren eigenen Behältern mit nach Hause nehmen.

Lidl erweiterte das Angebot an ökologisch nachhaltigen Produkten in Italien um die Sonnenschutzcreme „Love your Planet“ unter der Dachmarke „Cien Sun“. Die Produkte sind pflanzlicher Herkunft und frei von schädlichen Chemikalien.

Marktforschung 
Globaler Online-Handel von Lebensmitteln wächst

Dem jährlichen Omnichannel-Bericht von Kantar zufolge wuchs der Online-Lebensmittelumsatz im Jahr 2021 um mehr als 15 %, der Lebensmittelmarkt weltweit um 2,1 %. Das Gesamtwachstum von 2,1 % entspricht dem durchschnittlichen Wachstum vor der Pandemie. Das heißt, der Markt konnte an den zweistelligen Wachstumssteigerungen, die in der Pandemiephase 2020 erzielt wurden, festhalten. Der westeuropäische Markt büßte 0,2 % ein, als die Zahl der Lockdowns abnahm und die Einkaufsgewohnheiten sich zu normalisieren begannen.

Supermärkte/Hypermärkte bleiben die wichtigsten Vertriebskanäle für FMCG-Umsätze weltweit. Mit einem Wachstum von lediglich 0,1 % sank ihr Umsatzanteil allerdings auf 51,4 %, von 52,4 % im Jahr 2020 und 53,1 % im Jahr 2019.

Der Anteil des E-Commerce an den globalen Ausgaben für Lebensmittel beträgt jetzt 7,2 %. Getragen wird das Wachstum von Asien, das für 45 % aller Online-FMCG-Umsätze verantwortlich ist und einen fast doppelt so hohen Beitrag zum Gesamtanteil leistet wie die USA (4,8 %) oder Westeuropa (6,9 %).

IRI: Handelsmarkenanhänger = Anhänger nationaler Marken

Wie eine IRI-Studie zeigt, ist die Zahl der Anhänger von Handelsmarken (Kunden, die diese Marken mehr als 75 % der Zeit kaufen) in allen europäischen Kernmärkten so groß wie die der Anhänger von nationalen Marken. Handelsmarken sind mit 194 Mrd. Euro für 35 % des FMCG-Gesamtwertumsatzes in Europa verantwortlich, wobei die Differenz zwischen nationalen Marken schrumpft.

Etwa 50 % der Kunden wechseln zwischen beiden, die meisten in der mittleren Einkommensklasse, aber auch in Kohorten mit hohem Einkommen in Frankreich und Deutschland. Kunden von Handelsmarken orientieren sich nicht nur am Preis. Wo sie im Jahr 2022 und darüber hinaus mehr oder weniger ausgeben wollen, deckt sich mit allgemeinen Kategorietrends.

Laut IRI beträgt der globale Kategorieanteil von Handelsmarken am FMCG-Wertumsatz heute 16,5 %. Das Wachstum von Handelsmarken ist angeblich auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: gleiche oder bessere Qualität, Erschwinglichkeit, gesündere Optionen, Akzeptanz durch Verbraucher und Portfoliogliederung bis in den Premium-Bereich.

Handelsmarken sind für viele nationale Marken in mehreren Wachstumskategorien zu einem Ersatz geworden. Sie haben eine bedeutende Transformation durchgemacht, bei der Qualität, Vertrauen, Umweltverträglichkeit, Innovation und die Einlösung von Ansprüchen im Fokus stehen.

Von ihren bescheidenen, auf Rabatte fokussierten Anfängen haben sie sich im Laufe der letzten fünf Jahre zu „formidablen Wettbewerbern“ der Marken entwickelt, und das trotz des Rückgangs in der Pandemie, sagte Ananda Roy, SVP, Strategic Growth Insights, bei IRI International und Verfasser der Studie.

PLMA-Nachrichten 
Branche traf sich wieder live auf der „Welt der Handelsmarken“ der PLMA

Die internationale Fachmesse „Welt der Handelsmarken“ 2022 der PLMA, die vom 31. Mai bis 1. Juni in Amsterdam stattfand, war ein überwältigender Erfolg.

Die weltweit größte Handelsmarkenmesse zog mehr als 15.000 Einkäufer und Besucher aus 120 Ländern an.

Die Branche bestätigte die Wichtigkeit von Verbinden. Beschaffen. Wachsen. - das Motto der diesjährigen Messe. Wieder in voller Kraft, war das Stimmengewirr der Geschäftsgespräche, das Händeschütteln, die Suche nach Innovation und neuen Produkten und die Stärkung der Beziehungen weithin zu sehen.

„Wir sind stolz darauf, die Branche mit einer Plattform für die Beschaffung und Interaktion in einer direkten Verkäufer-zu-Käufer-Umgebung unterstützen zu können“, sagte Peggy Davies, Präsidentin von PLMA.

Veranstaltungen 
26.-27. Oktober 2022

PLMA-Fortbildungskurs für Führungskräfte
Nyenrode Business Universiteit, Niederlande