PLMA E-Scanner – September 2017

September, 2017
Amazon expandiert weiter

Die wichtigste Nachricht im Online-Lebensmittelhandel war die Übernahme des US-amerikanischen Lebensmittelhändlers Whole Foods Market durch Amazon. Whole Foods betreibt zwar nur wenige Filialen in Großbritannien, doch der Deal könnte dazu führen, dass Amazon die Bio- und Naturprodukte umfassende Marke „365“ europaweit anbietet. Unterdessen kündigte Amazon den Bau eines Logistikzentrums in Spanien an, über das Kunden in ganz Europa versorgt werden sollen.

Darüber hinaus gab es jede Menge weitere Nachrichten aus dem Online-Handel. So können sich beispielsweise Kunden von Tesco in Großbritannien Lebensmittel noch am selben Tag ins Haus liefern lassen. Aus den Niederlanden berichtet Albert Heijn, dass fast eine Viertelmillion Kunden regelmäßig Lebensmittel im Internet bestellen. Spar lancierte unlängst eine verbesserte Online-Plattform.

In Berlin können Kunden von Rossmann jetzt mehr als 5.000 Artikel über den Lieferservice „Prime Now“ von Amazon bestellen. Die Online-Lebensmittelumsätze kletterten in Deutschland im zweiten Quartal um 29 % auf 272 Mio. Euro. In Finnland erhöhte sich der E-Commerce-Umsatz des Lebensmittelhändlers SOK um etwa 50 % im Jahresvergleich.

Aldi baut Filialen um

Aldi Nord will seine 2.300 Geschäfte in Deutschland modernisieren. Das Projekt namens ANIKo (Aldi Nord Instore Konzept) soll im Laufe der nächsten Jahre abgeschlossen werden. Die Investitionen betragen 5,2 Mio. Euro. Die Filialen sollen heller und freundlicher gestaltet werden. Zudem wird das Angebot an Produkten ausgebaut, insbesondere Frischwaren. Vorangegangen war eine mehrmonatige Probephase, in der Aldi das Kundenverhalten analysierte und Produktprototypen testete.

„Wir werden schon im Herbst mit der Umbauphase beginnen“, kommentierte das Unternehmen. Nach dem erfolgreichen Test will Aldi Nord das Konzept in allen Filialen in Deutschland einführen. Dabei sollen wöchentlich bis zu 30 Filialen umgebaut werden. Auch neue Märkte in den acht Ländern, in denen Aldi Nord präsent ist, werden nach diesem Konzept gestaltet.

Supermärkte schränken Promotions ein

Promotions in britischen Supermärkten haben den niedrigsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Gemäß neuen Daten des Unternehmens IRI, das mehr als 300 Kategorien bei führenden Einzelhändlern analysierte, ging die Zahl der Artikel im Angebot seit November 2012, als das Office of Fair Trading die Richtlinien für Promotions erstmals veröffentlichte, um 25 % zurück.

Die durchschnittliche Zahl der Lebensmittel im Angebot verringerte sich in diesem Jahr um 13 %, wobei die Menge der im Rahmen der Angebote verkauften Produkte ebenfalls um 6,4 Prozentpunkte zurückging. Das ist der niedrigste Stand seit fast zehn Jahren.

Laut IRI fiel der Betrag, den Kunden im Vergleich zum vollen Preis sparten (genannt „Promotional Giveaway“), im April dieses Jahres auf 11,1 %. Der vorangegangene Höchstwert betrug 13,9 %. Das entspricht einem Verlust von insgesamt 3,7 Mrd. GBP an Einsparungen. Einzelhändler und Hersteller investieren einen Teil der Einsparungen bei Promotions, um Preise für Artikel des täglichen Bedarfs so niedrig wie möglich zu halten.

EU untersucht unfaire Handelspraktiken

Die Europäische Kommission bereitet Maßnahmen zur Regulierung unfairer Handelspraktiken in Bezug auf Agrarprodukte in der Lebensmittelversorgungskette in Europa vor.

Laut Kommission gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der „Mehrwert“ im Lebensmittelsektor nicht „hinreichend“ über die Lieferkette verteilt wird. Demnach bestehen Unterschiede in der Verhandlungsposition zwischen „schutzbedürftigen“ Unternehmern wie kleinen Betrieben und Landwirten und großen Herstellern und Händlern, in deren Händen sich die Marktmacht konzentriert.

Der Verband EuroCommerce ließ verlauten, er wolle mit jeder Studie kooperieren, stellte jedoch den Wert neuer Regelungen in Frage. Wenn Einzelhändler nur 5 % der von ihnen verkauften Waren direkt von Landwirten kaufen, würde der Erlass von EU-Vorschriften für ihre Vertragsverhandlungen, größtenteils mit großen multinationalen Nahrungsmittelverarbeitern, kaum etwas an der Situation der Landwirte ändern, so EuroCommerce.

Eurocash kauft Mila

Das polnische Einzel- und Großhandelsunternehmen Eurocash unterzeichnete eine Absichtserklärung über den Kauf seines kleineren Rivalen Mila, der 188 Supermärkte im Land betreibt. Außerdem ändern sich bei Eurocash die Eigentumsverhältnisse, da der schwedische Einzelhändler Axfood 49 % seiner Anteile am Unternehmen an den norwegischen Handelskonzern Norgesgruppen verkauft.

Mit einem Marktanteil von mehr als 26 % ist Eurocash der größte Großhändler von FMCG-Produkten in Polen. Das Unternehmen betreut neben einem Netzwerk aus 14.000 Franchise-Geschäften eigene Filialen verschiedener Vertriebslinien, darunter Lewiatan, Eco, Delicatessen Center, ABC, Euro Sklep und Groszek.

Carrefour lanciert neue Marken

Carrefour bringt in Spanien vier Nonfood-Handelsmarkenreihen auf den Markt. Die Marke „Poss“ für Hightech-Produkte und -Zubehör, „Klindo“ für Haushaltswaren, „Mandine“ für Küchenartikel und „Nalk&Rey“ für Gesundheits- und Schönheitsprodukte.

Nach Angaben von LZ Retailytics sind die Produkte bereits in verschiedenen europäischen Ländern erhältlich. Geplant ist der weltweite Vertrieb. Unter der Marke „Hyba“ bietet Carrefour außerdem Gartenmöbel und -zubehör an.

Wie LZ schreibt, ist dieses Branding auf Basis der Produktkategorie Ausdruck der veränderten Handelsmarkenstrategie von Carrefour. Mit Ausnahme von Produktlinien wie „Reflets de France“ wurden die meisten Handelsmarken unter der Carrefour-Dachmarke vertrieben, darunter „Carrefour“, „Carrefour Discount“, „Carrefour Home“ und „Carrefour Baby“.

Continente gibt Marken ein neues Gesicht

Der portugiesische Lebensmittelhändler Continente überarbeitet sein Handelsmarkenprogramm. Mehr als 4.000 Produkte werden nun in drei Submarken eingeteilt: „Continente“, „Continente Seleção“ und „Continente Equilíbrio“. Die Produkte der Marke „Continente“ sind Waren des täglichen Bedarfs.

Die Marke „Continente Seleção“ umfasst Produkte höchster Qualität, während „Continente Equilíbrio“ Produkten für die gesunde Ernährung vorbehalten ist, die weniger Zucker, mehr Ballaststoffe oder keine Laktose enthalten. Begleitet wird das Rebranding von einer Werbekampagne im Fernsehen, Radio, der Presse, auf Plakatwänden, in Digitalmedien und in den Verkaufsstellen.

Continente erweiterte außerdem sein Angebot an Molkereiprodukten um 15 verschiedene Joghurtgetränke. Der Joghurt besteht zu 100 % aus portugiesischer Milch und ist in Verpackungen mit Schraubverschluss erhältlich.

Kesko plant Gesundheitsformat

Kesko will im Herbst in Finnland die ersten 15 Filialen seines neuen Handelsunternehmens für Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden eröffnen. Die Geschäfte werden im Rahmen eines Joint Venture mit Oriola noch vor Ende des Jahres in Helsinki, Turku, Tampere, Kuopio und Oulu eröffnet. Für die neuen Filialen stellt Kesko etwa 100 neue Mitarbeiter ein, von Apothekern bis zu Personal Trainern. Insgesamt will Kesko ein Netzwerk aus 100 Filialen und eine Online-Plattform aufbauen. Da das Unternehmen ein völlig neues Konzept umsetzt, werden Experten in den Bereichen Gesundheit, Schönheit, Ernährung und Sport gesucht, so Kesko. Sofern es neue Rechtsvorschriften erlauben, sollen auch pharmazeutische Produkte angeboten werden.

Neue Ursprungslandregelung

Reis- und Nudelprodukte in Italien müssen ab Februar nächsten Jahres eine Ursprungslandkennzeichnung tragen. Die Regierung beginnt mit einer auf zwei Jahre angelegten Erprobung des Programms. In diesem Zeitraum sind Lebensmittelhersteller verpflichtet, das Ursprungsland des zur Herstellung von Reis und Nudeln verwendeten Getreides auf der Verpackung anzugeben. Auf Nudelerzeugnissen ist außerdem das Land anzugeben, in dem das Getreide gemahlen wurde, und auf Reisprodukten muss ersichtlich sein, wo sie verarbeitet und verpackt wurden.

Handelsmarken made in France

Jedes dritte in Frankreich als Handelsmarke verkaufte Produkt ist französischer Herkunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Fédération Indépendante du made in France (FIMIF). Demnach werden 31 % der als Handelsmarken verkauften Produkte in Frankreich hergestellt, im Vergleich zu lediglich 22 % aller produzierten Waren insgesamt.

Roherzeugnisse werden häufiger in Frankreich hergestellt (67 %) als verarbeitete Produkte (28 %) und Dosen- sowie Trockenfrüchte (11 %). Die am häufigsten in Frankreich hergestellten Produkte sind Fleischwaren (96 %) und Molkereiprodukte (71 %). FIMIF analysierte 1.340 Produkte in 18 Kategorien (Lebensmittel und Nonfood-Produkte), die als Handelsmarken von den zu diesem Zeitpunkt zehn größten Einzelhändlern in Frankreich vertrieben wurden. Laut Studie wurden für weniger als die Hälfte der Produkte Informationen zur Herkunft angegeben.
 

In den Läden 

In der ersten Hälfte dieses Jahres brachte Biedronka in Polen 253 Handelsmarkenprodukte auf den Markt.

Coop Danmark erwägt die Umbenennung aller Vertriebslinien, die unter einem gemeinsamen Coop-Format zusammengeführt werden sollen.

Dagrofa in Dänemark führte ein DiscountMatch-Preisprogramm für seine Meny-Supermärkte ein.

Berichten zufolge erwarb Carrefour eine Beteiligung von 51 % an „Bringo Magazin“, einer rumänischen Online-Bestellplattform für Lebensmittel.

Mit „My Hair Matters“ lancierte Sainsbury’s eine Produktreihe für verschiedene Haartypen.

Das Angebot der Marke „Fior Fiore“ von Coop Italia umfasst Schweinefleisch von Tieren, bei deren Aufzucht keine Antibiotika zum Einsatz kommen.

Delhaize brachte verschiedene Rohkostkuchen in die Regale, deren natürliche Zutaten weder gekocht noch verarbeitet wurden. Dazu gehören Gemüse, Obst, Getreide und Nüsse.

Eroski verkaufte 103 Filialen der Linie Perfurmerías IF sowie das dazugehörige E-Commerce-Geschäft an den deutschen Händler Douglas.

Der britische Großhändler Bestway konnte seinen Handelsmarkenumsatz nach Überarbeitung des Angebots um 40 % steigern.

Aldi UK erweiterte sein Sortiment um vier Weine der Marke „FeatherWeight“.

Nach Angaben von Axfood verbuchte die Vertriebslinie Willys im zweiten Quartal einen Umsatzzuwachs von 13 %.

Edeka Südbayern geht mit einem neuen Vertriebskonzept für Märkte unter 600 Quadratmeter Verkaufsfläche namens Edeka Xpress an den Start.

Für seine Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg plant Rewe den Bau eines neuen Werks und einer Zentrale in Erlensee.

Die britische Symbol-Gruppe Nisa meldet einen Umsatzanstieg von 21 % bei gekühlten Fertiggerichten der Marke „Heritage“.

Spar Österreich hat sechs neue Superfood-Säfte im Rahmen der „Rainbow Range“ von „Spar Enjoy“ im Angebot.

Netto Marken-Discount erweitert das Angebot an gentechnikfreien Produkten um zertifizierte Schweinefleischprodukte der Eigenmarke „Gut Ponholz“.

Infolge einer soliden Betriebsleistung bei Monoprix und Franprix sowie der Verbesserung der Ergebnisse bei Casino Supermarkets, Géant und Leader Price kletterte das Handelsergebnis von Casino in Frankreich um 43 %.

Die britische Supermarktkette Morrisons wird die Geschäfte der Convenience-Kette McColl’s im nächsten Jahr mit Handelsmarken beliefern.

Der britische Einzelhändler Marks & Spencer reduziert die Verpackungsmenge für seine Snackprodukte.

Asda erwägt die Übernahme des britischen Discounters B&M für 4,4 Mrd. GBP.

Sainsbury’s hat Bietergespräche mit dem Großhändler Nisa ausgesetzt, solange die behördliche Zustimmung noch aussteht.

El Corte Inglés will an Repsol-Tankstellen in Spanien ein Netzwerk aus Proximity- und Convenience-Geschäften der Vertriebslinie Supercor Stop&Go aufbauen.

Marktforschung 
Ungebrochenes Wachstum bei Frischwaren

Frisch- und Süßwaren, Snacks und alkoholische Getränke verbuchten im letzten Jahr überall in Westeuropa die größten Umsatzsteigerungen. Der Umsatz bei Frischwaren war für 38 % des Zuwachses der Branche insgesamt verantwortlich (1,6 Mrd. Euro), Süßwaren/Snacks für 23 % (1 Mrd. Euro) und alkoholische Getränke für 20 % (849 Mio. Euro).

Der Umsatzzuwachs bei Frisch- und Süßwaren war am stärksten ausgeprägt. Ursache dafür war, dass Verbraucher mehr Produkte kauften. Der Zuwachs bei alkoholischen Getränken lässt sich in erster Linie mit Preissteigerungen begründen.

Insgesamt gaben Verbraucher zusätzlich 4,3 Mrd. Euro für FMCG-Produkte im Lebensmittelsektor aus. Dies entspricht einem Wachstum von 0,9 % im Vergleich zu 2015. Die zehn größten Lebensmittelhersteller im Sektor mussten zwar einen Rückgang der Verbraucherausgaben um 430 Mio. Euro hinnehmen, auf ihr Konto gingen jedoch 30 % des Gesamtwachstums. Nach Angaben von Nielsen halten kleinere Erzeuger im Moment einen kombinierten Marktanteil von 47 %, gefolgt von Handelsmarkenherstellern (36 %) und den zehn größten Lebensmittelproduzenten (17 %). Nielsen analysierte die Konsumgewohnheiten in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Österreich, Portugal, Großbritannien und in den Niederlanden.

Briten geben weniger aus

Laut Nielsen befindet sich die Zahl der Briten, die ihre Konsumgewohnheiten ändern, um Haushaltsausgaben zu verringern, auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren. Mehr als die Hälfte aller Briten (53 %) ergreifen im zweiten Quartal dieses Jahres Maßnahmen zur Kostensenkung. Das ist der höchste Wert seit 2015, als dies auf 56 % zutraf. Im vergangenen Jahr hingegen befanden sich die Maßnahmen zur Senkung von Haushaltsausgaben auf dem niedrigsten Niveau (40 %), das je gemessen wurde, zwei Monate nach dem Brexit-Votum. Fast die Hälfte der Briten ist der Ansicht, das Land befindet sich ein einer Rezession. Noch mehr glauben, dass diese Rezession mindestens ein Jahr lang anhalten wird.

Der Wechsel zu preiswerteren Lebensmittelmarken ist heute die beliebteste Maßnahme, Geld zu sparen (von 30 % der Briten genannt), gefolgt von Einsparungen bei Gas- und Stromrechnungen (27 %). Beide haben die Reduzierung von Ausgaben für neue Kleidung überholt, die noch vor zwei Jahren die beliebteste Kostensenkungsmaßnahme war.
 

PLMA-Nachrichten 
Fortbildung für Führungskräfte vom 24. bis 26. Oktober

Ab sofort werden Anmeldungen für den Fortbildungskurs für Führungskräfte der PLMA vom 24. bis 26. Oktober an der Nyenrode Business Universiteit in Amsterdam entgegengenommen. Das Programm ist ausschließlich Handelsmarken gewidmet. Der Studienplan umfasst Themen wie Handelsmarkenstrategie, Beziehungen zwischen Herstellern und Einzelhändlern, Lieferketten-Management, Entwicklung neuer Produkte, Szenarioplanung, Innovationsmanagement, Verkaufsförderung und weltweite Trends.

Der Lehrplan richtet sich sowohl an Einzelhändler als auch Hersteller. In den Kursen werden interaktive Lehrmethoden mit traditionellen Vorlesungen und Fallstudien kombiniert. Neben Universitätsdozenten werden auch Vertreter der Industrie als Lehrkräfte verpflichtet.

Wenn Sie weitere Informationen wünschen oder sich für den Fortbildungskurs für Führungskräfte 2017 der PLMA anmelden möchten, kontaktieren Sie PLMA unter der Telefonnummer +31 20 575 3032 oder klicken Sie hier.

Veranstaltungen 
24.-26. Oktober

Fortbildungskurs für Führungskräfte
Amsterdam, Niederlande

12.-14. November

US-Fachmesse für Handelsmarken
Chicago, USA